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Vom OLt der sich im WWI nach Solothurn verflog zum Oberbefehlshaber der Luftflotte 6

Notlandung der Fokker D II am 13. Oktober 1916, 15 Uhr, südlich der Bahnlinie im Brühl auf Solothurner Stadtboden.

Airplane: Fokker D II, Serial Nr. 536/16, Aircraft type: Fighter plane, Hunting Squadron 16, im Westen eingesetzt, Basis: Donaueschingen, Mission: Escort, event: Notlandung nach Orientierungsverlust, Whereabouts: Übernahme in die Schweizer Fliegerabteilung, 1921 wurde sie nach dem Ausbau der Waffen an Gottlieb Batt in Bern übergeben, der sie als CH-55 zivil registrierte.

Crew / Pilot: Oberleutnant Otto Dessloch

Mit Schwarzwald verwechselt, im ersten Weltkrieg verirrte sich ein Deutscher Jagdflieger mit seiner «Fokker» in die Region Solothurn. Wenn man den Jura mit dem Schwarzwald verwechselt, dann landet man am falschen Ort: So geschah es einem deutschen Fliegeroffizier vor mehr als 100 Jahren, der im Zweiten Weltkrieg General der Flieger werden sollte. Er setzte seine Jagdmaschine auf Solothurner Boden auf. In der Luft ist es keine grosse Distanz zwischen dem Schwarzwald und dem Raum Solothurn. Das merkte ein Deutscher Jagdpilot, der sich verfranzte und landeten schliesslich bei Solothurn und brachten mit seinem modernen Jagdflugzeug willkommenen Zuwachs bei der Schweizer Fliegertruppe. Die Notlandung ereignete sich vor mehr als 100 Jahren, am 13. Oktober 1916. Das Flugzeug kam um 15 Uhr östlich der Hasenmatt über den Jura und flog dann in kaum 100 Meter Höhe über die Dächer von Bellach, bevor es 400 Meter südlich der Bahnlinie im Brühl auf Solothurner Stadtboden landete. «In den schwarzen eisernen Kreuzen war die Nationalität des Fliegers sofort und sicher erkenntlich», schrieb die «Solothurner Zeitung». Der Jagdmaschine Fokker D II, die einige Patronen verschossen hatte, entstieg der bayrische Oberleutnant Otto Dessloch (siehe Kasten unten). «Das ist doch nicht möglich, dass ich auf Schweizerboden gelandet bin», soll er gerufen haben. Er sei richtig ergriffen und niedergeschlagen gewesen, dass er dermassen die Orientierung verloren hatte. Gemäss seinen Angaben startete er an diesem Freitag in Donaueschingen und wurde mit seiner Einheit über Belfort in einen Luftkampf verwickelt. Während dieser Kämpfe verlor Dessloch die Orientierung. Die Gebirgszüge unter ihm – es war der Jura – betrachtete er als Ausläufer des Schwarzwaldes, den Fluss südlich davon als den Rhein und die Landschaft dahinter als die Schweiz. So achtete er darauf, dass er nördlich des Flusses auf vermeintlich deutschem Boden landete. Aber der Fluss war eben die Aare und das Land nördlich davon Solothurner Boden ... – Otto Dessloch wurde ins Hotel Krone gebracht und später in Thun interniert. Nach einigen Monaten konnte er die Schweiz wieder verlassen. Die Fokker kam zur Fliegertruppe nach Dübendorf, wo sie gemäss den Akten sicher von den beiden bekannten Piloten Alfred Comte und Oskar Bider geflogen wurde. 1921 wurde sie nach dem Ausbau der Waffen an Gottlieb Batt in Bern übergeben, der sie als CH-55 zivil registrierte.

Otto Dessloch war der Sohn des Oberforstmeisters Heinrich Dessloch und dessen Ehefrau Babette, geborene Wagner. Sein Bruder Friedrich (1882–1952) schlug ebenfalls eine Militärkarriere ein und wurde mit der Verleihung des Militär-Max-Joseph-Ordens in den persönlichen Adel erhoben. Dessloch trat nach dem Abitur am 20. Juli 1910 als Fahnenjunker in das 5. Chevaulegers-Regiment „Erzherzog Friedrich von Österreich“ der Bayerischen Armee in Saargemünd ein. Seine Beförderung zum Leutnant erfolgte am 23. Oktober 1912. Bereits in den ersten Wochen des Ersten Weltkrieges wurde er bei einem Erkundungsritt schwer verwundet. Nach seiner Genesung Ende 1914 meldete er sich freiwillig zur Fliegertruppe, wurde zum Flugzeugbeobachter ausgebildet und nahm als solcher während des Jahres 1915 an zahlreichen Feindflügen teil. Im darauffolgenden Winter erfolgte seine Umschulung zum Flugzeugführer bei der Fliegerersatzabteilung Schleissheim. Im Februar 1915 wurde er zur Feldfliegerabteilung 8 versetzt, ab 1916 war er bei der Jagdstaffel 16 im Westen eingesetzt. Weil Dessloch Anfang 1916 bei einem Absturz mehrere Vorderzähne verlor, wirkt sein Gesichtsausdruck auf späteren Fotos üblicherweise etwas verkniffen. Am 13. Oktober desselben Jahres musste er mit seiner Fokker D.II 536/16 nach einem Luftkampf in der neutralen Schweiz notlanden und wurde für mehrere Monate interniert. Nach seiner Repatriierung 1917 war er zunächst Staffelführer der Jagdstaffel 17 an der Westfront, ehe er im letzten Kriegsjahr Kommandeur der Fliegerschule V in Gersthofen wurde. 1919 unterstützte Dessloch zunächst mit der freiwilligen Fliegerabteilung „Dessloch“ das Freikorps Epp bei der Niederschlagung der Münchner Räterepublik. Der militärische Flugbetrieb blieb so lange aufrecht, bis die Siegermächte aufgrund des Friedensvertrags von Versailles endgültig dessen Einstellung erzwangen. In der Folge wurde Dessloch zunächst zum Nachrichtenoffizier umgeschult und 1921 in die Reichswehr als Rittmeister und Eskadronchef im 17. (Bayerisches) Reiter-Regiment sowie zeitweilig als Standortältester in Ansbach verwendet. 1925 wurde Dessloch mit der Mannschaft seines Regiments Sieger beim großen Heeres-Patrouillenritt in Berlin. Im Rahmen der verdeckten Aufrüstung der Reichswehr nahm Dessloch 1926/27 an der geheimen fliegerischen Ausbildung in Lipezk in der Sowjetunion teil. Ebenfalls im Jahr 1927 wurde er zum Stab der 7. (Bayerischen) Division abkommandiert und 1932 zum Major beim Stab im 18. Reiter-Regiment befördert. Als nach der NS-Machtübernahme 1933 im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht mit dem Wiederaufbau einer deutschen Luftwaffe begonnen wurde, trat Dessloch zur Luftwaffe über und wurde ab 1. Dezember 1934 Kommandeur der Flugzeugführerschule Cottbus. Von 1935 bis 1938 war er nacheinander Kommodore zweier Kampfgeschwader, ab 1. März 1936 als Oberst und Kommodore des Kampfgeschwaders 155. Am 1. Dezember 1939 wurde er zum Generalmajor und zum Kommandeur der 6. Flieger-Division ernannt.

Zweiter Weltkrieg:

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs erhielt Dessloch am 3. Oktober 1939 trotz seines vergleichsweise niedrigen Dienstgrads die Ernennung zum Kommandierenden General des II. Flak-Korps. Mit diesem Verband unterstützte er während des Westfeldzuges 1940 die Heeresgruppe B. Die Flak konnte insbesondere im Erdkampfeinsatz gegen feindliche Panzer große Erfolge erzielen. Dafür wurde er Ende Juni mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet und am 19. Juli zum Generalleutnant befördert. 1941 bis 1942 nahm Desslochs Korps im Mittelabschnitt der Ostfront am Krieg gegen die Sowjetunion teil. Am 1. Januar 1942 zum General der Flieger befördert, befehligte er vom 12. Mai 1942 bis zum 10. Juni 1943 als Kommandierender General das I. Flak-Korps an der südlichen Ostfront. Hier war er während des Winters 1942/43 gleichzeitig Befehlshaber des Luftwaffenkommandos Kaukasus (später umbenannt in Luftwaffenkommando Kuban). Am 11. Juni 1943 wurde Dessloch Nachfolger des nach Italien versetzten Wolfram von Richthofen als Oberbefehlshaber der Luftflotte 4 und erhielt die Beförderung zum Generaloberst. Als im Sommer 1944 die deutsche Westfront in Frankreich zusammenbrach und Generalfeldmarschall Hugo Sperrle als Oberbefehlshaber der Luftflotte 3 abgelöst wurde, ernannte Hermann Göring Dessloch zu dessen Nachfolger. Der neue Oberbefehlshaber war erst wenige Tage im Amt, als er von Hitler persönlich den Befehl erhielt, mit allen noch verfügbaren Maschinen einen Bombenangriff auf das soeben befreite Paris durchzuführen. Nach nur einem Monat im Westen kehrte Dessloch im September 1944 wieder in sein altes Kommando über die Luftflotte 4 an der Ostfront zurück, dass er bis wenige Tage vor Kriegsende beibehielt. Ende April 1945 wechselte er als Nachfolger Ritter von Greims an die Spitze der Luftflotte 6, der fast alle noch einsatzfähigen Luftwaffenverbände im Reichsgebiet unterstanden. Nachdem er sich bis 1948 in alliierter Kriegsgefangenschaft befunden hatte, widmete sich Dessloch in seinen restlichen Lebensjahren vorwiegend dem Reitsport.

Auszeichnungen: 

Bayrischer Militär-Verdienstorden IV. Klasse mit Schwertern

Preußisches Flugzeugbeobachter-Abzeichen

Verwundetenabzeichen 1918 in Schwarz

Spangen zum EK II und EK I 1940

Ehrenkreuz für Frontkämpfer 1934

viermalige Nennung im Wehrmachtsbericht 1943 und 1944

Flugzeugführer-Beobachterabzeichen in Gold mit Brillanten

Rumänisches Komturkreuz mit Kriegsdekoration und Schwertern

Dienstauszeichnung I. Klasse 1936

Reichssportabzeichen in Silber

Reiterabzeichen in Gold

Ostmedaille 1942

Kubanschild

Beförderungen: 

07/1910 Fahnenjunker

03/1911 Fähnrich

10/1912 Leutnant

03/1916 Oberleutnant

07/1921 Rittmeister

06/1932 Major

10/1934 Oberstleutnant

04/1936 Oberst

01/1939 Generalmajor

07/1940 Generalleutnant

01/1942 General der Flakartillerie

03/1944 Generaloberst

Identität geklärt: Dessloch, nicht Essloch 

Ganze 100 Jahre nach den Ereignissen gelang es, mithilfe des Internets, die genauen Identitäten der beiden Piloten herauszufinden: Die «Solothurner Zeitung» schrieb vom bayrischen «Chevauleger- Oberleutnant Otto Essloch». Bei den Recherchen musste festgestellt werden, dass es sich um einen Druckfehler beim Namen handelt. Online ist nämlich der bayrische Pilotenoffizier Otto Dessloch zu finden. Die Nennung des Ranges und seines Regimentes ist identisch mit den Angaben in der «Solothurner Zeitung», ausser dem fehlenden D beim Nachnamen. Bei Wikipedia wird sogar seine Landung im Oktober 1916 in der neutralen Schweiz erwähnt. Dessloch wurde 1889 in Bamberg geboren und trat 1910 in das bayrische 5. Chevaulegers-Regiment ein, kam aber 1916 als Oberleutnant zu den Jagdfliegern. 1917 wurde er Kommandant einer Jagdstaffel und im letzten Kriegsjahr einer Fliegerschule. Im Zweiten Weltkrieg war er hochdekoriert und zuletzt Generaloberst der Luftwaffe. Er verstarb 1977 in München.

Quelle: Solothurner Zeitung P. Brotschi und Wikipedia

Otto Dessloch
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