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US-Bomber Repair-Shop Duebendorf Switzerland

In der Zeit von 1943 -1945 suchten 166 amerikanische Bomber Zuflucht in der Schweiz, davonwurden 41 bei Abstürzen oder Bruchlandungen zerstört. 39 Bomber wiesen starke und weitere 86 Maschinen leichte Beschädigungen auf. Im November 1944 traf eine fünfköpfige Delegation aus Amerika in der Schweiz ein, um unseren Mechanikern und Spezialisten beim Unterhalt der Flugzeuge beratend zur Seite zu stehen. Der Delegationsleiter, Oberstleutnant Peter DePaolo, bezeichnete den Zustand der abgestellten Maschinen als sehr gut und befand, dass praktisch alle Maschinen nach entsprechenden Überholungsarbeiten zurückgeflogen werden können. Als nicht wieder reparierbar wurden allerdings die 39 zerlegten Bomber und Jäger eingestuft, welche aus Platzmangel und aufgrund ihrer Beschädigungen von den Schweizer Armee demontiert wurden und anschliessend in Dübendorf und Kloten in Hallen eingelagert wurden. Diese Flugzeuge fielen nach dem Krieg dem Schneidbrenner zum Opfer. Beim Eintreffen des amerikanischen Bereitstellungsdetachementes mit vier C-87 Liberator und zwei Douglas C-47 ereignete sich am 18. August 1945 bei der Landung des ersten Flugzeuges ein schwerer Unfall, als die C-87 nach einem missglückten Durchstartmanöver in den Dietlikonerwald stürzte. Vier Mann der Besatzung fanden den Tod, nur zwei Besatzungsmitglieder konnten leicht verletzt geborgen werden. Die restlichen Maschinen brachten Werkzeuge aller Art, hydraulische Hebevorrichtungen, Kompressoren sowie Treib- und Schmierstoffe nach Dübendorf. Bis zum Ende der Überführungs- aktion landeten weitere 290 amerikanische Transportflugzeuge und führten Bomberbesatzungen, Ersatzteile sowie 100’000 l Treibstoff ein. Mehr als 120 amerikanische Soldaten unterstützten die 150 Mann von der Swissair und der Schweizer Luftwaffe, Sie bemühten sich um die Reparaturen und Bereitstellungsarbeiten an den Bombern. Die Retablierungsarbeiten an den B-17 und B-24 erstreckten sich grösstenteils auf die Grundüberholung der Motoren sowie die Kontrolle der Instrumentenanlagen, der Funkgeräte, des Fahrwerkes und der Elektrik. An 19 B-17 und 25 B-24 mussten Motorenwechsel vorgenommen werden, dabei kamen Triebwerke von abzuwrackenden Flugzeugen zur Verwendung. Bei einem Grossteil der Bomber mussten auch kleinere Beschädigungen behoben werden. Für jede Maschine mussten durchschnittlich 200 Stunden aufgewendet werden. Ende August konnten die ersten Bomber, durchwegs B-17, den Rückflug nach England antreten. Die ungünstigen Platzverhältnisse erlaubten nur Starts mit geringer Zuladung. Daher wurden die Tanks mit einem Minimum an Benzin gefüllt, um München-Erding oder Paris-Villacoublay zu erreichen. Dort tankte man die internierten Maschinen für den Weiterflug nach Burtonwood voll auf. Der Flugplatz in England war das grosse Depot der US Army Air- Force im zweiten Weltkrieg und beschäftigte bis zu 25’000 Mann. Pro Woche konnten in Dübendorf etwa acht Bomber flugbereit gemacht werden. Bei den B- 24 wurden die Kontrollflüge mit Rücksicht auf die ungenügenden Ausmasse des Dübendorfer Flugplatzes teilweise unterlassen. Am 20. Oktober 1945 starteten die letzten drei internierten Maschinen, zwei B-24 und die einzige flugfähige Mustang via Paris nach Burtonwood. Der Mustang-Pilot verabschiedete sich auf seine ganz persönliche Art von der Schweiz. Nachdem er über dem Flugplatz Dübendorf einige Tiefflugangriffe markiert hatte, flog er nach Zürich, um unmittelbar über den Häusern mehrmals die Bahnhofstrasse entlang zu fliegen. Diese Cowboy-Einlage bildete den Abschluss einiger aussergewöhnlicher Zwischenfälle bei der Rückführung der Bomber. Am 27. August 1945 machte sich unmittelbar nach dem Start der obere Geschützturm einer B-17 selbständig und schlug im westlichen Teil von Dübendorf auf die Strasse auf. Das Bugfahrwerk der Liberators war nur für den Betrieb auf Hartbelagspisten konzipiert war, kam es bei Landungen auf den für amerikanische Verhältnisse kurzen Graspisten von Dübendorf, Altenrhein oder Payerne des Öfteren vor, dass das Bugrad bei der ersten Bodenberührung wegbrach. Zwischen August und Ende Oktober 1945 verliessen 41 Liberators auf dem Luftweg über München- Erding oder Paris-Villacoublay die Schweiz Richtung Burtonwood, wo alle internierten Bomber ausschliesslich der Schrottpresse zum Opfer fielen. Ihre nicht flugtüchtigen Schwestern hatte bereits Wochen vorher das gleiche Schicksal in der Schweiz ereilt. Beim Überführungsflug der «Belle Ringer», einer B-24, geriet der Pilot in eine Schlechtwetterfront und musste in der Nähe von Paris eine notlandung durchführen, welche die dreiköpfige Besatzung unverletzt überstand, doch die Liberator wurde dabei vollständig zerstört. Insgesamt wurden 69 amerikanische Flugzeuge nach Burtonwood überflogen, darunter 29 B-17,39 B-24 und eine Mustang. Die in der Schweiz notgelandete Stinson konnte durch die Schweizer Flugwaffe gekauft werden. Als die ehemals internierten Maschinen ihre Heimat England erreicht hatten, war die Überführungsaktion amerikanischer Bomber in die USA bereits abgeschlossen. Die von unseren Leuten über die Kriegsjahre sorgsam gewarteten Bomber, welche unter grossem Aufwand für den Flug nach Burtonwood aufgepäppelt worden waren, kamen schon kurz nach ihrer Ankunft unter den Vorschlaghammer. Sie teilten ihr Schicksal mit hunderten von Mustangs, Thunderbolts und Lightnings, welche fabrikneu aus Amerika angekommen waren und gleich verschrottet wurden.

Quelle: H. Stapfer

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